Wie bekomme ich mein Tier nach dem Freilauf wieder zurück in den Käfig?

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Warum ein wenig Training nicht schaden kann
Wer kennt es nicht: Unser vierbeiniger Liebling wuselt freudestrahlend durch die Wohnung. Schaut sich um, knabbert hier und dann an Sachen aus denen er lieber die Zähne lassen sollte, rennt einen zwischen den Füßen umher und irgendwann wird es endlich müde. Doch was tun, wenn der kleine nicht mehr freiwillig in den Käfig zurück möchte und sich statt dessen lieber unter der Couch zum schlafen legt? 

Welche Tiere gehen nicht gerne wieder in den Käfig? 
Alle! Wenn sie wissen, dass die Tür direkt hinter ihnen wieder ins Schloss fällt. In diesem Fall denkt sich das kleine Gehirn nämlich in etwa folgenden Ablauf. 
„Tür auf => Freiheit, Spielen, Leute ärgern => Käfig betreten => Tür zu, vorbei mit dem Spaß. Knast. 
Also gehen wir am besten gar nicht rein!“ Und in diesem Fall sitzt das Tierchen in einer dunklen, schwer erreichbaren Ecke und schnarcht friedlich vor sich hin. Hier ist es dann meistens der Mensch, der das ganze noch verschlimmert. Irgendwann hat der nämlich die Nase voll und probiert das Tier mit „Gewalt“ wie Einfangen, Scheuchen etc. wieder in den Käfig zurück zu bekommen. Damit hat bestimmt jeder noch so gute Tierhalter bereits seine Erfahrungen sammeln können. Vielleicht möchte man noch weg, schlafen gehen etc. und da kann der kleine Racker schlecht unbeaufsichtigt weiter sein Unwesen treiben. Diese Übergriffe menschlicherseits sind natürlich für die Beziehung zum Tier nicht gerade positiv. Aber eigentlich wollte ich auf zwei spezielle Gruppen von Tieren hinaus, mit denen man dieses Problem am häufigsten hat. Da es sich bei der Rückkehr in den Käfig um eine Erziehungsfrage handelt, sind folglich gerade unerzogene Tiere noch nicht mit den Regeln vertraut. Also junge Tiere und auch ältere Tiere, die neu im Haushalt sind. Gerade bei ihnen ist es Anfangs eine besonders schwere Aktion, denn neben dem Spieltrieb kommt natürlich die Tatsache hinzu, dass alles neu ist und auch der Rückweg mal nicht ganz so leicht gefunden wird („Wo stand mein Käfig den noch mal?“).Mit ein paar kleinen Ritualen kann man sich sein Tier aber innerhalb von knapp 2 Wochen bei regelmäßigem Freilauf umerziehen. 

Vorbereitungen für das Käfigtraining 
Kleintiere sind nicht wie z.B. Hunde in der Lage etwas mental nachzuvollziehen. Trotzdem kann man ihnen ein bestimmtes Verhalten antrainieren. Ich möchte hier etwas vorgreifen und meine Chinchillas als Beispiel nennen. Sancho hab ich im Alter von 5 Monaten bekommen, Lilly im Alter von 7 Jahren, also zwei sehr unterschiedliche Beispiele. Beide Tiere kannten die Freilaufregeln bei ihrem Einzug bei mir nicht. Mit Sancho war es ein harter Kampf. Oftmals bin ich mit einem Hechtsprung zum Käfig, wenn er mal zur Tür rein spähte um sie ja schnell zu zubekommen. In den meisten Fällen erfolglos. Als Resultat daraus sah der Knabe sich vorher dreimal um, wo ich genau war. War es zu nahe am Käfig, wurde der halt gemieden, um nicht wieder eingelocht zu werden.
Nach dem Trainingsprogramm sieht es anders aus. Heute muss ich nur mit den Fingern schnippen, dann kommt das Kommando „Sancho, rrrrein! Ab in den Käfig“. Und er ist meistens nach dem dritten mal drin (normalerweise nach dem ersten, außer er hat gerade seinen schelmischen Tag). Natürlich versteht er mich nicht genau. Aber er erkennt seinen Namen am Klang, erkennt sogar „Käfig“ und „rein“. Das ich immer besonders betont ausspreche und beim „rein“ das „R“ auch etwas rolle. Dazu kommt noch eine gebieterische Tonlage – schon weiß er, es gibt gleich Ärger mit Frauchen. Da gehen wir dann lieber freiwillig! Manchmal mache ich auch noch einen Ausfallschritt in seine Richtung, dann gibt er schnellstens Fersengeld Richtung Käfig (nie innerhalb der ersten 2 Trainingswochen!!). Ist er besonders wild drauf, darf ich aber auch nicht in Nähe der Luke stehen, sonst weigert er sich die Leiter zu betreten (“Ne, du könntest mich ja auf der Leiter abfangen!“).Lilly ist das Gegenbeispiel zu diesem Satansbraten. Nach 15 Minuten hat die gute einfach keinen Bock mehr und möchte lieber schlafen. Also geht sie freiwillig rein. Sie hört nicht auf die Kommandos. Aber sie hat trotzdem etwas gelernt, was sie zum schlafen wieder in den Käfig bekommt, nämlich: 

Käfig ist nicht Knast 
Mein Käfig steht zwar nicht direkt auf dem Boden, aber mit einer Holzlatte und ein paar Teppichresten, alten Handtüchern oder kleinen Kanthölzern und einem Winkelstück zum einhängen lassen sich ganz tolle Leitern in jeder Höhe basteln (sollte natürlich nicht zu steil werden).
Bei Freilauf mache ich die Tür offen und hänge die Leiter ein. Dann gehe ich wieder. Ziemlich schnell stürzen beide begeistert aus dem Käfig und treiben ihr Unwesen. Alle beide gehen zwischendurch wieder in ihren Käfig (mal was knabbern, mal pieseln, mal richtig Pause machen), denn sie wissen genau: Frauchen macht nicht die Tür zu! Das heißt sie können frei wählen, wann sie ihr Heim verlassen, betreten und wieder verlassen. Sie haben die Verbindung, dass ihr Käfig ihr „zu Hause“ ist, und nicht etwas, in dass sie eingesperrt werden. Ich schließe die Tür, wenn ich am Verhalten merke, dass beide müde werden. Und das nehmen sie mir dann auch nicht mehr übel. „Tür zu?! Manno! Na gut, dann schlaf ich jetzt erst mal was!“ 

 

Hier ein wohl sinnvoller Trainingsplan für Problemtiere:

Vorbereitungen

  • der Käfig muss schon artgerecht in der Größe und Einrichtung sein, in ein zu kleines Heim bekommt man auch das am besten erzogene Tier nicht freiwillig zurück.

  • Egal ob der Käfig auf dem Boden oder erhöht steht: Es muss eine Einstiegshilfe her. Je nach Tier kann das ein Schemel, eine Leiter oder ähnliches sein. Leitern sind am besten und lassen sich wie bereits erwähnt leicht selber bauen. Selbst bei Bodenkäfigen liegt die Luke in ca. 10cm Höhe, die überbrückt werden wollen.

  • Zu Trainingsbeginn alle nach außen führenden Zimmer abriegeln. Trainiert wird nur in einem Zimmer, der Käfig bleibt an seinem festen Standpunkt!!!

  • Die üblichen Freilaufregeln beachten (Gefahrenquellen etc.)

  • Neue Tiere müssen schon etwas handzahm sein und sollten ihren Käfig vorher ein paar Tage ohne Freilauf bewohnt haben, um ihn mit ihrer „Wohnung“ verbinden zu können. 

Der erste Tag
Freilaufzeit. Alle Vorbereitungen getroffen, los geht es!

  • Käfigtür öffnen, Leiter einhängen und sich danach am besten 1 bis 2 Meter vom Käfig weg auf den Boden setzen. Das Tier nicht locken, vor allem nicht mit dem Körper den Ausgang versperren (auch nicht mit 30 cm Abstand).

  • Das Tier ist draußen. Nicht hinterher rennen, sitzen bleiben. Wenn es sich an Stellen aufhält, an die es nicht soll: Zweimal schnell in die Hände klatschen. Das appelliert an den Fluchtinstinkt. Aber: sitzen bleiben, damit das Tier dieses Klatschen nur mit der Handlung verbindet, nicht mit ihnen! In hartnäckigen Fällen bleibt leider nur z.B. ein Paar zusammengerollte Socken oder etwas ähnlich weiches nach dem Tier zu „rollen“ (nicht richtig werfen). Das braucht aber auch seine Zeit, bis es das kapiert hat. Notfalls aufstehen und mit einem konsequenten „Nein!“ und einem Fingerschnippen den Arm in Richtung des Tieres ausstrecken. Das reicht bei eigentlich allen Tieren. Nicht schubsen, scheuchen oder ähnliches! Die meisten Tiere werden zu Wiederholungstätern und versuchen es selbst später immer wieder. Bei mir reicht wieder das Fingerschnipsen, sonst klatschen. Oder ein unfreundlich geknurrtes „Wag es nicht!“ (Tonfall signalisiert "Muss vorsichtig sein")

  • Am ersten Tag viel Zeit nehmen, denn alles ist interessanter als der Käfig! Bei einem Zimmer stolpert das Tier aber über kurz oder lang wieder über den Käfig „Hey, das kenn ich doch...“ und steckt schon mal die Nase rein. Keine Sorge, in den nächsten Tagen wird das häufiger!

  • Betritt das Tier den Käfig: Bleiben Sie ja vom Käfig weg!!! Nach Möglichkeit kaum bewegen und bloß nicht dem Käfig nähern. Das Tier wird trotzdem misstrauisch in ihre Richtung schauen und wachsam sein.

  • Kann es jetzt den Käfig trotz allem ohne irgendwelche Zwischenhandlungen wieder verlassen, verschwindet dieses Misstrauen langsam. Jedes mal ein wenig mehr. Am besten lässt man das Tier bis zu drei oder vier mal (je nachdem wie oft es zurück geht auch öfters) wieder raus aus dem Käfig. Natürlich ohne, dass sich die Tür schließt!!! Und wenn es zwischendurch mal 5 Minuten im Käfig bleibt: Finger weg von der Tür!!! Später kann man den Käfig dann schließen, in den ersten Tagen nicht! Faustregel: Erst bei Müdigkeit oder nach frühestens 30 Minuten.

  • Erst, wenn das Tierchen sich im Käfig leicht zusammenkauert oder draußen müde wird, kann die Tür wieder geschlossen werden. Optimal ist es, das ganze mit einer kleinen essbaren Belohnung abzurunden oder bei anderen Tierarten z.B. mit dem reinstellen eines Sandbades. So verbinden sie die Rückkehr in dem Käfig mit etwas positiven. 

Die erste Woche
Praktisch die Anweisungen vom ersten Tag wiederholen.

  • Wenn das Tierchen nach z.B. drei Tagen wieder freiwillig rein geht, sollte es gelobt werden. Die meisten Kleintiere verbinden eine höhere Stimmlage mit etwas gutem. Also viele „i’s“ etc. als Vokale benutzen. „Ja, feiiiin, bist du wieder reiiin gegangen in den KÄFIG“. Ich gebe zu, man kommt sich anfangs reichlich bescheuert bei diesem Gesprächen vor, aber es wirkt. Hunde lobt man schließlich auch so.

  • Schlüsselwörter wie „Käfig“ besonders deutlich mit einer bestimmten Betonung aussprechen. Das Tierchen lernt dadurch, dass dieses Lautfolge mit ihrer Betonung irgendetwas mit seiner Handlung zu tun hat, für die es gelobt wird. Betonung immer gleich beibehalten!

  • Wichtig: Nicht in den Käfig greifen, außer das Tier kommt freiwillig zum kuscheln an!

  •  Auch draußen nur Berührungen mit dem Tier haben, wenn es freiwillig ankommt! Kein auf den Arm nehmen, kein festhalten beim Streicheln!

Nachtrag
Innerhalb von 14 Tagen weiß jedes Tier bescheid (Meerschweinchen, Kaninchen, Chinchilla, Ratte... bei Rennern und Hamstern bin ich mir über das Lernverhalten nicht so sicher). Dann kann die Tür auch schon mal eher zu gemacht werden. Nur in der Trainingsphase eine Bitte: Lassen sie trotz allem ihr Tier bestimmen, wann es wieder in den Käfig geht! Das ist das ganze Geheimnis einer guten Erziehung. Nach und nach kann man das Territorium beim Freilauf erweitern, muss dann aber am ersten Tag mit etwas mehr Geduld und Ermahnungen auf seine Trainingserfolge verweisen.
Auch perfekt trainierte Tiere haben immer wieder mal Tage, an denen sie nur Unfug im Kopf haben. Vor allem, wenn der Freilauf zeitlich mal etwas knapper angesetzt wird oder vorher ein paar Tage ganz fehlte. Da hilft nur Geduld. Bei dem oben bereits erwähnten Chinchilla Sancho stehe ich manchmal wie Rumpelstilzchen neben dem Käfig und keife ihn an, weil er mich (mutwillig) zum Narren hält. Spätestens wenn ich aber aufgebe (ich fange ihn niemals ein!!!), verliert er den Spaß und geht nach einer Minute Ruhe wieder herablassend gnädig und hochnäsig in den Käfig. Und dem Gefühl „Gegen Frauchen gewinne ich noch alle male!“  Diese Genugtuung lasse ich ihm dann meistens mit einem fiesen Kommentar, aber solche Situationen habe ich nur noch alle Jubeljahre mal. Vor dem Trainingsprogramm hatte ich sie täglich. Tiere bleiben halt Tiere, aber meine „Dressierten Chinchillas“ haben bisher jeden noch so erfahrenen Tierhalter beeindruckt. Ein leicht abgewandeltes Trainingsprogramm habe ich auch sehr effektiv auf Sugar Glider (ähnlich wie Streifenhörnchen) angewandt, hier locke ich sie allerdings mit Kommando auf meinen Arm um sie zum Käfig zurück zu transportieren. Abgestiegen wird mittlerweile freiwillig. Tiere verstehen eine zwar nicht genau, aber dumm sind sie auf keinen Fall. 

© Heike Brzezina, 2002
www.nagetiere-online.de

 

 

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