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Der Grund für einen längst überfälligen
Neuzugang
Als ich damals mein erstes Chinchilla bei mir aufnahm, hieß es noch, dass Chinchillas durchaus einzeln gehalten werden können. Im Laufe der Jahre änderte sich diese Einstellung, aber da ich immer genügend Zeit aufbringen konnte, um mich um meinen
"Hoppel" zu kümmern, habe ich nie daran gedacht, ein weiteres Chinchilla hinzu zusetzen. Erst als ich ganze 7 Jahre später weiteren tierischen Zuwachs bekam,
musste ich mich für ein weiteres Chinchilla entscheiden, weil ich einfach nicht mehr die Zeit aufbringen konnte, die mein Chin von mir gewöhnt war. Doch was für ein Chinchilla setzt man zu einem alten, ziemlich eigenwilligen Böckchen?
Nach reiflicher Überlegung machte ich mich auf die Suche nach einer ebenfalls älteren Chinchilladame. Per Kleinanzeige fand ich dann meine "Lilly". Ein 7 jähriges Chinchilla, das bis dahin ebenfalls alleine gelebt hatte. Trotz gesunder Skepsis beider Halter wollte ich es riskieren, die beiden miteinander vertraut zu machen. 80 % der Leute die sich mit Chinchillas auskennen, rieten mir aber davon ab, weil die Tiere einfach zu lange alleine waren.
Der Einzug einer Herzdame
Die ersten Tage stellte ich beide Käfige nebeneinander und gab den Chins so die Gelegenheit, sich kennen zu lernen. Während mein Neuzugang wenig Notiz von allem nahm, sprang mein anderes Chinchilla ihr bei jeder Bewegung
in seinem Käfig hinterher, um ja nichts zu verpassen. Nach einer Eingewöhnungsphase von mehreren Tagen kam es dann zum ersten Kontakt außerhalb des Gitters. Erst ließ ich Lilly ein wenig in der Diele umher laufen, und setzte dann meinen Sancho hinzu. Ein neutrales Gebiet konnte ich den beiden leider nicht bieten. Im nachhinein
muss ich sagen, ich hätte das (neutrale) Schlafzimmer ausräumen sollen, um ihnen so einen besseren Start zu ermöglichen.
First Date und seine Pleiten
Das Zusammentreffen lief in den ersten Sekunden recht friedlich ab. Beide schnupperten sich an der Nase. Doch ehe ich mich versah, schlug Sancho seine Zähne in
Lilly, die sofort die Flucht ergriff und eine gesunde Abneigung gegen den
Verursacher entwickelte. Auch die nächste halbe Stunde, in der ich regelmäßig
eingreifen musste, ging mit wilden Verfolgungsjagden und leider nicht nur angedeuteten Kämpfen vonstatten. Da mein Männchen der Aggressivere war, nahm ich ihn mir irgendwann zur Brust und wurde vom Tonfall her recht unfreundlich. Sancho ist in dieser Beziehung etwas sensibler und war danach auch wirklich wieder brav. Doch Lilly war durch das rüpelhafte Auftreten meines Chins
- verständlicher Weise - bereits sehr verstimmt. Also brach ich den Versuch erst einmal ab.
Nach einem weiteren Tag Pause wiederholte ich das ganze. Und während Sancho lieb zu Lilly
sanft hüpfte um sich vorzustellen und sein Machobenehmen wieder gut zu
machen, stellte Lilly sich auf die Hinterpfoten und fing an, ihn abzuwehren. Auch an diesem Tag kam es wieder zu heftigen Kämpfen.
Die rappelige Autofahrt in einer kleinen Kiste
Ein paar Tage später startete ich mit meinem Freund zusammen den Versuch, mit den beiden Auto zu fahren. Also packte ich Lilly in eine kleinere Transportkiste und Sancho in einen ausgedienten kleineren Käfig. Nach 10 Minuten Fahrt setzte ich die beiden in der kleinen Transportkiste zusammen. Und es kam wieder zu Beißereien. Etwa eine viertel Stunde hielt ich die beiden Kampfhähne mit dazwischen gelegter Hand
auseinander - sehr zum Leidwesen meiner lädierten Hand. Erst auf dem ziemlich kurvigen Rückweg und auf dem Weg in die Wohnung zurück
( auf dem Arm getragen werden schaukelt nun mal) wurden die beiden plötzlich
ruhiger. Ich hatte wohl zuvor den Fehler gemacht, die Kiste zu still zu
halten, was den beiden Kontrahenten Gelegenheit gab sich
anzustänkern.
In der Wohnung lief ich mit der Kiste samt 2 Chinchillas noch etwa 30
Minuten umher und "schaukelte" sie ganz minimal. Sobald ich die Kiste abstellte, gab es wieder Raufereien. In einem 3ten – neutralen – Chinchillakäfig (nur ein Häuschen zum Schutz drin) setzte ich beide zusammen. Doch nach einer Stunde waren die zwei sich wieder am prügeln und ich
musste sie trennen.
Aus der Not eine Tugend machen
Am nächsten Tag musste ich mit Lilly zum Tierarzt. Kurz entschlossen packte ich Sancho mit in die Kiste und fuhr mit beiden zu dem Termin. Verunsichert durch die größeren
Hunde im Wartezimmer, die vorherige Schaukelei im Auto (diesmal hatte ich sie nicht so stabil stehen, sondern einfach auf dem Beifahrersitz), und vor allem die Behandlung des Tierarztes fingen sie bereits in der Praxis an, miteinander zu
kuscheln. Zu Hause ging es dann wieder in Chinkäfig Nummer 3.
Die anschließende Show, die die beiden hinlegten, diente eigentlich nur noch zur Erheiterung. Denn während Lilly immer noch sauer im Häuschen saß, machte mein Sancho sich einen Jux daraus, um das Haus herum zu rennen. Kam Lilly aus dem Eingang und setzte ihm hinterher, dann rannte er zum Gitter und stellte sich aufgerichtet mit den Pfötchen oben ans Gitter und ließ sich "verprügeln". Das machte er fast über
2 Stunden. Und irgendwann wurde Lilly der Verteidigung müde. Als ich nachmittags nach den beiden sah, erwischte ich sie doch tatsächlich beim beidseitigen beknabbern.
Erst am nächsten Tag zogen die beiden – begleitet von einem verunsicherten Frauchen – in Sancho‘s großen Käfig ein. Lilly sprang sofort auf die unterste Etage und verließ sie auch für den Rest des Tages nicht mehr. Jedes Mal, wenn mein Sancho hinunter stieg, gab es von ihr ein paar hinter die Ohren. Also führte er geschlagene 24h am "Eingang" Schildwache und steckte nur ab und an mal die Nase
hinunter. Als ich mich am nächsten Tag etwas intensiver mit beiden beschäftigte und ihnen gemeinsam Leckerchen anbot, traute Lilly sich eine Etage höher. Nach und nach erkundete sie den Rest des Käfigs, lies aber Sancho kaum an sich heran. Es dauerte knapp 2 Wochen, bis die beiden wirklich gut miteinander klar kamen.
Ein langer Weg bis in den gemeinsamen Käfig
Fazit: Man darf einfach nicht die Geduld verlieren und muss auch etwas erfinderisch sein. Aber auch lange allein lebende Tiere lassen sich über einen größeren Zeitraum aneinander gewöhnen. Nur dürfen Sie nicht davon ausgehen, dass dieses "Wunder" über Nacht geschieht. Es ist ein Zeitraum von meist mehreren Wochen mit viel Geduld, Eingreifen und vor allem Zuversicht nötig. Wenn ich mich jetzt so umhöre stelle ich fest, dass ich es sehr schnell geschafft habe, beide aneinander zu gewöhnen. Aber selbst dabei gab es Situationen in denen ich am liebsten resigniert hätte. Sie hätten die – blutigen angelegten – Kämpfe am Anfang sehen müssen, bei denen ich selbstverständlich immer eingegriffen habe und bei denen dadurch auch nichts wirklich ernsthafteres passiert ist. Und heute sind die zwei die besten Freunde und man sieht ihnen an, wie glücklich sie miteinander sind. Behalten Sie die Tiere am Anfang nur immer im Auge und setzen Sie sie am besten erst einmal stundenweise zusammen. Niemals sofort in einen Käfig oder gar über
Nacht!
© Bilder und Text: Heike Brzezina
www.nagetiere-online.de

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