Das wohnliche Hamsterheim

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Im Zoohandel werden im Normalfall viel zu kleine Gitterkäfige mit relativ niedrigen Bodenwannen als „perfekte Hamsterkäfige“ angeboten. Selbst die besser ausgestatteten Exemplare haben nur kleinere oder manchmal auch größere Zwischenetagen, die oft aus dem selben Gitterdraht bestehen wie die Wände. Diese Käfige sind nur bedingt geeignet. 
Sowohl der Gold- als auch die Zwerghamster sind Lauftiere, die sich in ihren aktiven Phasen viel bewegen müssen. Wird dieses Bedürfnis nur mittels eines zur Verfügung gestellten Laufrades befriedigt, kann sich bei den Tieren schnell ein rechter Laufradwahn entwickeln. Das heißt, das Laufrad wird zu oft benutzt und führt zu sogenannten Stereotypen, also einem krankhaften Zwang es zu benutzen. Außerdem können die Gitterabstände sowohl bei den Zwischenetagen als auch bei einem einfachen Metallrad zu gefährlichen Verletzungen führen, wenn die kleinen Pfoten zwischen ihnen hindurch rutschen. Zu diesem Thema gibt es bereits mehrfache ausführliche Studien.
Aus diesem Grund greifen immer mehr Halter auf eine andere Möglichkeit zurück, die des ausgedienten Aquariums. Die Becken kann man sehr günstig über Kleinanzeigen erstehen, denn neu müssen sie nicht sein. Mit Hilfe von Zitrone und Putzmitteln lassen sie sich sehr leicht Kalkrückstände aus der wasserreichen Zeit vorher beseitigen. Das Becken anschließend einfach mit viel heißem Wasser noch einmal überspülen und ein paar Stunden vor der Inneneinrichtung trocknen lassen. 

Hamster gehören nicht nur zu den Lauftieren, sondern auch zu den Wühlern. Aus diesem Grund kommt es ihrem Bedürfnis entgegen, wenn das Becken eine hohe Einstreuschicht von etwa 5cm enthält. Dafür kann man die normale entstaubte Holzspaneinstreu aus dem Fachhandel verwenden. Ich selber kombiniere das ganze und verlege unter der Einstreu ein Tunnelsystem aus alten Papp- und Küchenpapierrollen. Außerdem befindet sich in meinem Becken ein ausgehöhlter Baumstamm mit mehreren seitlichen Einstiegen, der sich ebenfalls bis zur Hälfte unterirdisch befindet. Oben auf lege ich beim Saubermachen eine handvoll Heu und ein möglichst unbehandeltes Papiertuch. Die beiden dort sesshaften Zwerghamsterdamen zerschreddern dieses Material und bauen es in den Untergrund mit ein, so dass er etwas stabiler ist und die Gänge besser halten.
Als Schlafstätte steht den beiden ein Wellensittichnistkasten zur Verfügung, der gegenüber den Plastikhäusern erhebliche Vorteile hat. Das Haus ist aus unbehandeltem Holz, kann also auch zum anknabbern und Zähne abschleifen benutzt werden. Da er über einen festen Boden verfügt kann es bequem zum saubermachen samt Tieren aus dem Becken genommen werden. Durch den etwas höher gelegenen Einstieg kann man es direkt auf den Boden stellen und muss es nicht oben auf die Streu aufsetzen. So kann es nicht beim versehentlichen unterwandern herab sinken und die Hamster verletzen. Durch den ziemlich seitlich gelegenen Eingang haben die Tiere im Nistkasten einen sehr abgetrennten und dunklen Raum, werden also nicht durch Tagesaktivitäten gestört. Plastikhäuser weisen oftmals neben der geringen Größe noch Fenster (Lichteinfall) auf, die es den Tieren unmöglich machen länger in einen Tiefschlaf zu fallen, wenn etwas Leben im Raum ist.

Diese Inneneinrichtung sorgt dafür, dass die Tiere ständig Abwechslung haben und sich selbst in einer eigentlich immer noch nicht artgerechten Unterbringung ablenken und auch ausleben können. Dazu möchte ich gerne eine kleine Episode aus meinem „Hamsterrarium“ (80 x 40cm) erzählen.
Eine zeitlang habe ich meine beiden dsungarischen Mädels etwas zu stark mit proteinreichem Futter gefüttert, die zwei Damen setzten also reichlich an. Da ich das Becken nur etwa 1 mal im Monat reinigen muss (bis auf die Toilettenecke natürlich) stand das Gangsystem bereits relativ stabil und die Hamsterchen wurden träge und faul. Bis dahin hatte ich etwa die besagten 5 cm Einstreu neben einem Kletterstamm und einem größeren Lavastein im Becken. Als ich das Becken das nächste mal reinigte und neu befüllte, legte ich die Papprollen die gelegentlich mit hinein kamen nicht oben auf die Streu sondern hab sie direkt aneinander gelegt und unterbrochen „vergraben“. Außerdem wurde die Einstreu versehentlich etwas höher, so dass etwa 8cm Buddelspaß zur Verfügung standen. Meine Mädels waren über die Zerstörung ihres Gangsystems ziemlich entrüstet und stürzten sich gleich wetteifernd aus dem Nistkasten um wieder Ordnung in die Bude zu bekommen. Die nächsten 30 Minuten sah ich nur noch wandernde Streuhaufen und ab und an mal eine Nasenspitze, die sich oben orientierte. Nachdem sie heraus gefunden hatten wie die Papprollen angeordnet waren, sah man den Spänhaufen immer von einem Ende der Röhre wieder zurück laufen um dann wieder zu verschwinden und an der anderen Seite wieder aufzutauchen. Da die Einstreu frisch drin war, fielen die Tunnelsysteme ziemlich schnell wieder zusammen. Doch statt sich darüber zu ärgern (ich wette das haben sie doch) sah ich sie plötzlich wieder regelmäßig herum wuseln. Irgendwann wollte ich die zwei mal im Nistkasten anschauen und stellte fest, dass sie es vorgezogen hatten sich unter der handvoll Heu eine Mulde zu buddeln um dort zu übernachten. Innerhalb von 2 Wochen haben die beiden mit einer leichten Diät wieder ihr Idealgewicht erreicht. 

Etwas schade ist es schon, dass man die beiden kaum noch an der Oberfläche entdeckt. Aber ehrlich gesagt finde ich es sehr schön, wenn ich es einfach nur mal hier und da rascheln höre oder plötzlich eine Nase irgendwo auftaucht. Niedlich ist es auch, wenn sie die Papprollen die direkt am „Fenster“ liegen von Innen heraus aufknabbern, so dass ich einen guten Einblick in das Innenleben habe. Auf jeden Fall sind die zwei ständig in Bewegung und sehen dabei ziemlich glücklich aus. Ich glaube, wenn ich sie jetzt in einen kleineren Käfig setzen würde mit nur einem cm Einstreu würden sie die Welt nicht mehr verstehen. Übrigens haben die beiden kein Laufrad drin stehen, und sie vermissen es mit Sicherheit auch nicht, weil sie ihrem Lauf- und Grabinstinkt wunderbar ausleben können.

© Bild und Text Heike Brzezina, 2001
www.nagetiere-online.de

 

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