Jeder, der selber Kinder hat oder sich an seine eigenen Jugendjahre zurück erinnert, kennt wohl den Spruch: Ich möchte ein Haustier! Oftmals überlegt man als Elternteil lange hin und her und wägt zwischen den Vor- und Nachteilen ab. Einerseits wäre es ja nicht schlecht, weil die Kinder ein wenig Verantwortung lernen können. Aber andererseits sieht es doch bestimmt wieder so aus, dass man selber die ganze Arbeit mit dem Tier übernehmen muss, oder? Und früher oder später landet man bei der Frage: Welches Tier ist überhaupt kindgerecht?
Was
bedeutet es, wenn ein Tier kindgerecht ist?
Kindgerecht ist eine Bezeichnung, die bei Tierhaltern auf sehr unterschiedliche Meinungen stößt. Denn was verbindet man mit diesem Wort? Einfach zu halten und
anspruchslos?! Mit Sicherheit nicht.
Kinder möchten oftmals ein "handfestes" Tier haben, also etwas was sie knuddeln
können, für das sie mit Spielsachen ein Hindernisrennen anlegen können und das sie einfach lieb haben können.
Hinter der Bezeichnung "für Kinder geeignet" verbirgt sich lediglich der Hinweis, dass diese Tiere sich durchaus anfassen und einmal schmusen
lassen. Sie sind im Gegensatz zu ungeeigneten Tieren deutlich ruhiger
und ausgeglichener und reagieren auf die menschliche Hand nicht sofort
mit Flucht oder Protest. Sie sind zwar lebhaft - aber nicht, wie wir so gerne sagen, "rappelig" oder leicht
reizbar. Doch selbst für die angenehmsten Zeitgenossen unter den Tieren
gilt: Es gibt eine Grenze. Kein Tier lässt sich in die Enge treiben
oder gegen seinen Willen festhalten. Dann setzt auch bei den zahmsten
Artgenossen der Drang nach Selbstbestimmung ein und man muss damit
rechnen, dass das Tier diesem drang entsprechend Ausdruck verleiht.
Auch
die typischen Einsteigertiere für Kinder bedürfen einer anspruchsvollen Haltung,
allerdings sollten Kinder mit der elterlichen Unterstützung in der Lage
sein, den nötigen Rhythmus für Pflege und Umgang zu erlernen. Wenn man dem eigenen Kind einen Wunsch nach einem Haustier erfüllt, ist man als Elternteil immer dazu angehalten,
mit ein Auge auf das Wohl der Tiere zu werfen. Gerade in der Anfangszeit sollten Sie
als Erwachsener Informationen über Haltung und Lebensgewohnheiten
sammeln und diese Infos je nach Alter des Kindes auf mehr oder weniger spielerische Art
an diese weitergeben. Lernen Sie ihr neues Haustier zusammen mit Ihrem Kind kennen und beobachten Sie es. Wenn Ihr Kind das eine oder andere nicht versteht oder sich wundert, warum sein Tier so reagiert, dann schlagen Sie nach und erklären es ihm.
Oftmals tauchen Fragen auf wie: Warum muss der Käfig so groß sein? Warum riecht das Tier / der Käfig? Ist ihm nicht langweilig? Warum schläft es denn tagsüber, wenn ich mit ihm spielen will? Darf ich jetzt nicht mehr so laut sein? Darf ich das Tier so anfassen?
Erziehung
hört nicht am Käfiggitter auf
Erklären Sie ihrem Kind, wie das Ruhebedürfnis der Tiere aussieht. Warum
diese etwas bestimmtes nicht fressen dürfen, und wieso man den Käfig regelmäßig sauber machen muss. Kinder stellen von Natur aus viele Fragen, da sie nun einmal sehr wissbegierig sind und sie werden schnell merken, was gut für ihr Tier
ist. Alleine schon durch das entgegenkommende Verhalten des Tieres.
Nach und nach wird sich zwischen Ihrem Sprössling und seinen neuen Lieblingen ein vollkommen natürliches Verhältnis
aufbauen.
Und Sie können die tägliche Pflege immer mehr in Kinderhände legen. Doch gehen Sie immer davon aus, dass Ihr Kind trotz einem sehr guten Verantwortungsbewusstsein einmal vor einer Situation stehen kann, in der es entweder zu stolz ist um zu fragen, oder aber meint, diese Situation alleine meistern zu können und nicht die richtige Handlungsweise findet.
Hier ist es dann auf Dauer Ihre Aufgabe, täglich wenigstens einmal nach
den Haustieren zu sehen und notfalls einzuschreiten Erklären Sie ihrem
Kind dann, was es falsch gemacht hat oder was es vergessen hat. Ein
weiterer Gefahrenpunkt liegt im gesundheitlichen Bereich. Kinder
erkennen oftmals zwar ein verändertes Verhalten bei ihren Tieren
früher als Erwachsene, können es aber nicht einschätzen und messen der Situation nicht die entsprechende Bedeutung bei.
So kann zum Beispiel eine Krankheit übersehen werden. Das elterliche
Einschreiten ist auch dann erforderlich, wenn der eigene Nachwuchs in
seinem Zimmer eine Party feiert und die Tiere darunter leiden müssen.
Laute Musik, heftige Diskussionen beim Computerspielen usw. - das zerrt
an Tiernerven. Vielleicht sollten Sie dann den Käfig für ein paar
Stunden ausquartieren.
Der
Langeweile vorbeugen
Viele Eltern befürchten nicht zu unrecht, dass ihr Kind relativ schnell das Interesse an dem Haustier
verliert. Hier ist es oftmals eine Hilfe, wenn sie dem Wunsch des Kindes erst nach einem längeren Zeitraum nachgeben und in dieser Zeit
gemeinsam auf Informationsjagd zu dem gewünschten Tier gehen. Zeigen Sie
ihrem Kind ruhig, dass ein Tier auch Arbeit mit sich bringt und eine Haltung nicht nur Vorteile hat. Ist der Kinderwunsch nicht ernst gemeint, wird
das Thema nach ein paar Wochen von alleine nicht mehr angesprochen.
Doch sollte es zu einer Einigung kommen, dann ist es sinnvoller, sich gleich mindestens zwei – möglichst gleichgeschlechtliche - Tiere anzuschaffen. Denn es ist eine unumstrittene Tatsache, dass der Mensch trotz all seiner Liebe niemals einen Artgenossen ersetzen und eine Einzelhaltung nicht als artgerecht bezeichnet werden kann. Das Gerücht, dass zwei Tiere zusammen nicht zahm werden oder mehr Arbeit bedeuten, ist schon lange widerlegt worden.
Die
Entscheidung ist gefallen
Liebe Eltern, Großeltern und Verwandte, ziehen Sie bitte niemals
alleine los, um ihr Kind mit einem (zwei) Tiere zu überraschen! Das
funktioniert nicht. Stellen Sie sich vor ihr Mann / Frau kommt mit einer
Bluse oder einem Hemd für Sie das ihm / ihr (!!) gefällt nach Hause.
Mag ja sein, dass es im ersten Moment schön ist, solch ein Geschenk zu
erhalten, und etwas negatives zu sagen gehört sich dann auch nicht -
aber, wer trifft ihren Geschmack besser? Sie oder ihr Partner? Auch
Kinder sollten sich ein Tier selber aussuchen, um wirklich ihr
Wunschtier zu bekommen, mit dem sie auch nach dem ersten Anflug von
Begeisterung noch zufrieden sind. Genauso "cool" in
Kinderaugen ist ein fertig eingerichteter Käfig mit einem Gutschein für
den bereits festgemachten Züchterbesuch.... und zudem kommt noch die
Vorfreude darauf hinzu! Also doppelter Lohn.
Mit
Haustieren (und ihrer Unterstützung) kann ihr Sprössling neben der verantwortungsbewusster Pflege auch
das Sozialverhalten seiner Zöglinge kennen lernen.
© Bild und Text Heike Brzezina,
2001
www.nagetiere-online.de
