Nachbehandlung einer Operation

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Manchmal kommen wir bei unseren Kleintieren leider nicht um eine Operation herum. Sei es nun durch einen Eingriff wie z.B. Kastration oder aber durch schwerwiegendere Dinge wie z.B. einer Entfernung von Geschwüren, Kaiserschnitt bei Geburtskomplikationen, Verletzungen etc. Grundsätzlich wäre zu bemerken, dass ein chirurgischer Eingriff bei Kleintieren wie z.B. Nagern immer mit einem deutlich größerem Risiko behaftet ist, als bei größeren Tieren. Das liegt zum einen daran, dass auf Grund des geringen Gewichtes und des anfälligen Kreislaufs das Narkosemittel schwerer zu dosieren ist. Und auch an der Anatomie der Tiere, bei der der behandelnde Tierarzt sich mit seinen Geräten zurecht finden muss. Was bei Hund oder Katze noch gut zu erkennen ist, ist bei Nagern oftmals sehr schwieriger zu lokalisieren und auch der kleinste Millimeter daneben kann schlimmste Folgen haben.
Doch ist die OP erst einmal gut überstanden, heißt dies noch lange nicht, dass keine Gefahr mehr für unsere Lieblinge besteht. Bei falscher Versorgung nach der OP kann es schnell zu Entzündungen und geöffneten Wunden kommen. Deshalb sollte jeder Wissen, wie man die spezielle Tierart nachzubehandeln hat.

Artübergreifend gibt es aber einige generelle Tipps:
Wenn Sie Ihr Tier nach der OP wieder abholen dürfen, befindet es sich meistens noch in einem "Aufwachkäfig", der aus sterilem Stahl und mit Handtüchern ausgelegt ist. Hierhin wurde Ihr kleiner Racker direkt nach dem Eingriff und noch in Narkose verfrachtet. Es kommt oftmals vor, dass Tierärzte die Tiere so lange in der Praxis behalten, bis sie ein gewisses Aufwachstadium erreicht haben. Also wieder halbwegs bei Sinnen und in Bewegung sind. Das dient alleine schon dazu, um das Tier mit einem halbwegs stabilen Kreislauf wieder herauszugeben. Nichts desto trotz ist es in den ersten Stunden besonders wichtig, dass Sie das Tier nicht Die richtige Menge Wärme ist nach einer größeren OP wichtig nur Ruhen lassen, sondern auch den Kreislauf in Schwung bringen. Je nach Art des Eingriffs ist es nicht nötig, dass die Halter eingreifen. Wurde allerdings eine größere OP vorgenommen wie z.B. ein Kaiserschnitt oder Sterilisation bei Weibchen (bei dem fast der ganze Bauch geöffnet werden muss), sollten Sie Ihrem Tierchen schon ein wenig durch belebendes Kraulen und massieren (nicht nur sanftes Streicheln) behilflich sein. Es ist klar, dass dies den Tieren in dem Moment nicht sonderlich zusagt, aber damit der Kreislauf nicht umkippt, ist es leider erforderlich.  
Aber noch einmal zurück zum Aufwachraum. Um Ihren Nager nach Hause zu transportieren, sollten Sie eine handelsübliche Transportkiste mit weichen, fusselfreien Hand- oder Trockentüchern auspolstern. Gleiche Vorbereitungen sollten Sie – falls möglich – schon vorab für den Käfig treffen. Die häufig benutzte Kleintierstreu ist sehr staubig und enthält auch eine Menge kleinerer Teile, die sich an die meist noch nachnässende Wunde setzen, sie verkleben und so zu Entzündungen führen. Aus diesem Grund sollte in der ersten Woche möglichst gänzlich auf Handtücher zurückgegriffen werden, die wegen der Ausscheidungen allerdings auch täglich gewechselt werden müssen.
Andere Tiere sollten sich nach Möglichkeit in dieser Zeit nicht im demselben Käfig befinden, weil das operierte Tier erst einmal seine Ruhe haben muss und seine Kräfte mit überdurchschnittlich viel Schlaf wieder aufbaut. Dabei kann die Nähe der gewohnten Mittiere und –menschen allerdings nur vorteilhaft sein. Vertraute Gerüche, eine vertraute Umgebung und auch vertraute Laute helfen den kranken Tieren, schneller zu genesen.                       


Wie aus der menschlichen Medizin bekannt, hilft auch bei Tieren eine Wärmequelle, um den Körper nicht in einen Schockzustand geraten zu lassen und auch, die vorhandenen Energien besser auf die Wunde konzentrieren zu können. Bei Kleintieren gibt es dazu unterschiedliche Methoden. In der Tierarztpraxis werden oftmals Wärmedecken eingesetzt, die allerdings andere als die einfachen im Handel erhältlichen Decken an Temperaturen erreichen. Nichts desto trotz kann es bei schweren OP’s erst einmal hilfreich sein, das Tier in seiner Transportkiste und auf einer eingeschalteten Heizdecke in greifbarer Nähe zu beobachten. Heizdecken haben den Vorteil, dass sie bequem unter die Kiste passen und das Tier Meine Chindame nach ihrem Kaiserschnitt sich dafür nicht anders hinlegen muss. Allerdings muss die Temperatur ständig überprüft werden, um es weder zu heiß noch zu kalt werden zu lassen. Eine weitere Variante wäre der Einsatz einer Wärmelampe (Rotlicht). Aber auch hier muss darauf geachtet werden, dass die Wärmequelle in solch einer Entfernung steht, dass es weder zu warm, noch zu kalt wird. Das schöne bei einer Wärmelampe ist die Tatsache, dass man sie vor dem Käfig postieren kann und die Tiere – wenn sie wieder munterer und nagefreudiger sind – nicht an ihr herum knabbern können. Die dritte Möglichkeit ist der Einsatz von Wärmflaschen. Füllen Sie einfach eine handelsübliche Wärmflasche bis zu ca. 2/3 mit heißem Wasser, damit sie beim Liegen nicht zu hart und aufgebläht ist. Das ganze sollten Sie mit einem Trockentuch umwickeln, damit es nicht zu warm wird. Liegt die Wärmflasche in der Ecke des Käfigs, kuscheln sich die verwundeten Tiere behaglich an und genießen die Wärme offensichtlich.

Eine interessante Abwandlung der Wärmflasche entdeckte ich nach dem Kaiserschnitt meines Chinchillas. Das beheizte "Wasserbett". Da ich Probleme mit der Wärmflasche hatte und sie von meiner Chindame nicht richtig angenommen wurde, beschloss ich spontan einen stabilen Gefrierbeutel mit heißem Wasser zu füllen und diesen in den Käfig zu legen. Zufälliger Weise fiel mein Blick dabei auf mein Folienschweißgerät, und um ein Auslaufen des Wasser zu verhindern, habe ich die Tüte kurzerhand verschweißt. Da in dem Beutel nun auch eine große Luftblase mit eingearbeitet war, konnte sich das Wasser je nach Lage des Tierkörpers verteilen und damit optimal anpassen. Umwickelt mit einem Trockentuch, war die Tüte auch knabbersicher verpackt. Zum Aufwärmen des Wassers habe ich den Beutel entweder für ein paar Minuten in sehr heißes Wasser gegeben , oder aber eine heiße Wärmflasche untergelegt. Das Wasserbett war in den folgenden Tagen der Aufenthaltsort Nummer eins und man sah dem Chinchilla direkt an, dass es Wärme und Körperanpassung zur Wundentlastung genoss.

Wichtig ist in den ersten Tagen auch eine ausreichende Versorgung mit genügend Futter (speziell Heu bei den Rassen, die es bevorzugen) und vor allem viel Trinkwasser. Des weiteren sollten Sie die Ausscheidungen Ihres Tieres genau unter Kontrolle halten. Manche Tierarten bekommen bei größeren Eingriffen Probleme mit dem Magen – Darmtrakt und müssen dann speziell behandelt werden (Einsatz von bird-bene-bac empfiehlt sich immer, erhältlich beim Tierarzt). Das Urin kann gerade bei Eingriffen in der Rotlicht wärmt die Tiere - aber nicht zu nah dran stellen! Bauchhöhle ein paar Tage lang ebenfalls rötlich erscheinen, wenn Reststoffe aus dem Körper geschwemmt werden. Außerdem sollten Sie darauf achten, dass die Tiere in der ersten Zeit keine Spring- und Klettergelegenheiten haben. Der Verzicht darauf fällt vielen Haltern gerade wegen des schlechten Allgemeinzustandes zwar schwer, allerdings können Spring- und übertriebene Streckbewegungen ein Aufreißen der Wunde zur Folge haben. Also das Tierchen lieber ein paar Tage lang nur auf dem Boden halten bzw. ein Schlafhaus mit hinein setzen.

Die Wunde sollte täglich einmal kontrolliert werden. Sie darf nicht sehr hart sein, möglichst ohne auffällige Verfärbungen und nicht geschwollen sein. Die zusammengenähte Haut ist keine direkte Schwellung. Tasten Sie die Wundumgebung bei Verdacht vorsichtig mit der Fingerspitze ab, allerdings dürfen Sie keinen großen Druck ausüben. Sind Sie sich nicht sicher ob Sie Vereiterungen bzw. unnormal erscheinende Stellen vor sich haben, gehen Sie lieber noch einmal zum Tierarzt, der bei rechtzeitiger Diagnose meist gefahrlos einschreiten kann. Die Wundkontrolle sollten Sie auch dazu nutzen, die Fäden zu kontrollieren. Einige Nager haben die Angewohnheit, sich die natürlich unliebsamen Fäden wieder selber zu ziehen, und das darf natürlich nicht passieren, bevor die Wunde von sich aus zusammen hält. Für diesen Fall können Sie dann - wie auch bei Hunden oftmals angewendet - einen "Trichter" bekommen, der verhindert, dass das Tier an die Wunde gelangen kann. Ansonsten wird Ihr Tierarzt Ihnen einen Termin nennen, an dem die Restfäden wieder entfernt werden können. Und haben Sie diesen Tag erreicht, geht es Ihrem Liebling mit Sicherheit schon wieder sehr gut.

© Bild und Text Heike Brzezina, 2001
www.nagetiere-online.de

 

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