Rezepte für Nager

© Heike Brzezina 2002

Grundsätzlich möchte ich hier erst einmal vorweg schieben, dass "Kochen für Nager" eigentlich Quatsch ist. Wer seine Tiere wirklich gesund und artgerecht ernähren möchte, sollte auf so etwas eigentlich gänzlich verzichten. Das Bedürfnis seine Tiere mit Futter zu verwöhnen hat der Mensch wohl etwas zu sehr aus seinem eigenem Alltag übernommen. Spontan fällt mir gerade der berühmte Amerikaner und sein Fast Food ein - es wird gerne gegessen, aber gesund.... ?! Tja, warum stelle ausgerechnet ich dann solch eine Seite ins Net, wenn ich doch eh dagegen bin? Der Grund dafür war der zweite Auftrag zu einem Zeitschriftenartikel und das, was ich an erschreckenden Dingen bei meinem Recherchen gefunden habe. Das absurdeste war eine "NagerPizza", die todernst aus einem Pizzarezept mit Nagerfutter als Belag bestand (peinlicher Weise mal als Vorschlag in einer renommierten Tierzeitung). Gott sei dank gibt es nur wenige solcher Rezepte im Internet. Die einzigst positive SnackIdee fand ich auf der Seite eines großen Rattenvereins.  Fazit: Wenn schon solch ein Schnickschnack, dann bitte (halbwegs) gesund und vor allem: In Maßen, nicht Massen! Da zeigt sich endlich mal der Unterschied in der neuen deutschen Rechtschreibung. Für meinen Artikel hab ich dann mal selber in die Futterkiste gegriffen und ein paar meiner Meinung nach verträglichere Zutaten mit eingebaut. Und das kam dabei raus:

Hinweis: Die Temperaturen in Backofen töten Vitamine ab. Außerdem sollten diese Leckerlies nicht lange gelagert werden, da sie mit frischem Ei versetzt sind. Das Bindemittel besteht bei allen Rezepten aus einer Mischung von Ei und Mehl (notfalls etwas Wasser unterrühren, wenn es zu fest geworden ist)

Brotzeit

Grundlage hierfür war ein ganz normales Roggenbrötchen. Ich habe das frische Brötchen in Scheiben geschnitten und dann ganz normal einen Tag lang hart werden lassen.  Der Belag besteht aus einer einzelnen Sorte getrockneter Kräuter bzw. aus Grünlingen - je nach Vorliebe des Tierchens. Damit die Kräuter darauf haften bleiben, ist das ganze mit einem Gemisch aus Ei und Mehl "zusammengekleistert" worden. Das Zeug kann man sich ganz einfach in einer Tasse zusammen rühren und es anschließend halbwegs konsistent auf das Brot schmieren. Dafür war es von Vorteil, dass die Brote noch nicht ganz hart geworden waren. Oben auf hab ich dann einfach die Kräuter gestreut und das ganze bei 175° Grad in den Ofen geschoben (keine Umluft, sonst gehen die Kräuter wieder fliegen!). Zu der Zeit mache ich bewusst keine Angaben, da es auf die Konsistenz des Klebegemisches und auch auf den Belag ankommt und sie sehr unterschiedlich sein kann. Das Ei muss zumindest richtig fest sein. Das Brot trocknet während dieser Zeit natürlich auch noch nach.
  •  Kräuter und trocken Brot sind schmackhaft und tun den Zähnen sogar noch was gutes.

Nager-Burger

 
Grundlage: siehe Rezept "Brotzeit". Zusätzlich wurde hier aber zu den Kräutern das handelsübliche Nagerfutter mit vermischt. Etwas Probleme gab es mit der Menge des "Klebers", da hier doch einiges davon verwendet werden musste. Damit das ganze trotzdem besser zusammen hält, wurde aus dem einfachen Brot ruck zuck ein netter Burger. 
  • Tja, bleibt nur zu sagen: Durchbeißen! Und da schmeckt sogar das Standardfutter besser.

Der Zeittunnel

 
Auch hier wurde wieder vollkommen schlicht auf das einfache Nagerfutter zurück gegriffen. Bzw. auf eine Kombination dessen mit einer einzelnen Kräutersorte. Das ganze habe ich in einer kleinen Schüssel mit dem Bindemittel aus Ei und Mehl vermischt. Die einfache Klopapierrolle (eine Küchenpapierrolle wollte ich meinen Hamstern dann doch nicht zumuten) wurde hochkant auf einen Teller gestellt und anschließend mit dem ziemlich festen Papp gefüllt. Mit dem Löffel hinterher etwas nachdrücken, damit es besser zusammen gepresst ist. Das ganze bei 150° Grad in den Ofen. Die Rolle muss sehr lange drin bleiben, um im Kern ebenfalls fest zu werden. Deshalb lieber etwas länger drin lassen. Wird die Rolle braun (ich hatte da keine Probleme mit), muss die Temperatur etwas runter. Die Idee habe ich übrigens nicht selber entdeckt, sondern vor Jahren mal zufällig gesehen und grob im Gedächtnis behalten. Womit sie damals gefüllt waren - keine Ahnung!
  • Das ist eine wahre Herausforderung und Beschäftigungstherapie. Allerdings neigen solche Futtermengen schnell dazu, die Tiere übergewichtig werden zu lassen, da sie natürlich sehr ehrgeizig sind.

Das Gute-Nacht-Hupferl

 
Der Rezeptname fiel mir ein, weil sie mich an die kleinen Schokoladen in Hotels auf dem Kissen erinnerten. Tja, eigentlich waren diese kleinen süßen Häufchen eine "Notlösung", denn ich hatte noch massig Futter über nach den vorherigen Rezepten. Also hab ich das Futter, was nicht mehr in die Rollen passte aber schon angerührt war in das nächste Schnapspinnchen gestopft, lach. Das Pinnchen muss allerdings nach jedem Hupferl wieder ausgewaschen werden, damit das nächste beim umstülpen nicht am Rand kleben bleibt und zerfällt.  Zutaten sind hier wieder lediglich das handelsübliche Nagerfutter gewesen, was die Tiere von jeher gewohnt sind. Trotzdem ist es deutlich interessanter, weil es eine andere Form hat und die Tierchen sich das Futter selber erarbeiten müssen. 
Übrigens funktioniert das ganze auch sehr gut mit Wellensittichfutter, wie man auf dem linken Bild sehen kann. Dabei war es eigentlich für meine Zwerghamster gedacht. Im Ofen bei 150° Grad durchtrocknen lassen. Wenn sie anbräunen, muss die Temperatur runter gestellt werden.
  • Bleibt nur zu sagen: Guten Appetit! Ich selber finde diese Lösung super, da ich abends vor dem schlafen gehen nur noch schnell ein Hupferl ins Becken stellen muss. Gute Nacht!

Der Gesundkräcker

 
Der Kräcker mit Echtholz innen (einfach ca. 10cm, lange Stücke von einem gesäuberten Ast abgesägt) gestaltete sich leider als Herausforderung für mich -  statt für meine Tiere. Nimmt man nämlich Äste mit glatter Rinde, halten die Kräuter daran nur sehr schwer. Deshalb habe ich praktisch erst die Kräuter mit dem Leim verbunden und als "Teppich" im Ofen antrocknen lassen. Dann erst habe ich den Ast in die Mitte gelegt und das ganze wie beim klassischen Backen drum herum gerollt. Doch selbst das war schwer. Das ganze sollte natürlich auf nicht haftendem Backpapier gemacht werden. Auch hier gefiel mir weniger, dass ich ziemlich viel von dem Bindemittel benutzen musste. Meinen Chinchillas - für die das eigentlich gedacht war - haben die Kräcker deshalb hinterher nicht mehr bekommen. Im Ofen restlos bei ca. 150 ° bis 175 ° durchtrocknen lassen. 
  • Ein Versuch, auch mal einen gesunden Kräcker zu verfüttern. Allerdings mit sehr viel Arbeit verbunden und dafür nur mit mäßigem Ergebnis.

 


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