|
Dieser Bericht darf
unter Verwendung eines Herkunftsnachweis für Deine Webseite kopiert
werden
Schon vor dem Kauf meines ersten Chinchillas legte ich mir einen Tierratgeber zu und deshalb war es für mich als Chinchillahalter immer selbstverständlich, meinem Kleinen ein regelmäßiges Sandbad zur Verfügung zu stellen. Ich
musste lediglich ziemlich schnell den hölzernen Deckel der Wanne (Zoohandel) gegen eine Metallplatte austauschen, weil mein Chin sich dank seiner Zähne ein "Freibad" geschaffen hatte. Im Normalfall stelle ich das Sandbad abends nach dem Auslauf für ca. 1 bis 2 Stunden zur Verfügung, ab und an auch ganz über Nacht. Mit seinem Fell hatte ich selten Probleme, weil er es so immer ordentlich reinigen konnte.

Mitte Juni 2000 bekam ich dann meine Chinchilladame "Lilly" die mit meinem "Sancho" vergesellschaftet werden sollte. Die Besitzerin sagt mir, dass die Kleine Fellprobleme hätte, der Tierarzt aber nichts feststellen konnte als sie es untersuchen ließ. Das Sandbad bekäme sie auch regelmäßig nach dem Auslauf. Ich dachte mir nichts weiter dabei – solange bis die kleine Lady wirklich bei mir
einzog. Das Foto zeigt Lilly noch am Tag ihres Einzugs und wie man unschwer erkennen kann, sind die Fellprobleme durch Fellbruch doch etwas ausgeprägter. Ich entschloss mich spontan, ihr erst einmal eine Metallschüssel mit einem frei zugänglichen Sandbad (Höhe des Sandes: ca. 1,5 bis 2 cm) zu Verfügung zu stellen. Die mitgelieferte "Sandwanne" war ein flacher Teller mit knapp 40 cm Durchmesser, der selbst mit 1,5 kg Sand schwerlich zu füllen gewesen sein
müsste. Und ich bezweifele, dass diese Menge dort Einsatz gefunden hat. Zusätzlich "drängte" ich ihr ab sofort täglich eine halbe Tablette Calcipot und Vitamine auf.
Lilly nahm dieses kleine Präsent auch begeistert an, allerdings stellte ich ziemlich schnell fest, dass sie gar nicht in der Lage war, sich ordentlich zu wälzen. Sie reinigte ihren Bauch und ein wenig die rechte Seite. Gut, wer einmal auf dem Boden geschlafen hat der
müsste wissen, wie es den Rücken schmerzt. So ungefähr muss sich auch Lilly auf ihrem Teller vorgekommen sein. Aber sie wird es lernen.
Am folgenden Tag viel mir auf, dass sie sich fast minütlich hinter dem linken Ohr kratzt. Also sah ich es mir etwas genauer an. Chinchillaohren sind normalerweise von innen und außen samtig behaart und insgesamt durchscheinend gegen das Licht. Lillys Ohren waren schwarz und total verschuppt. Ich rief noch am selben Tag bei meinem Tierarzt an, da mir bekannt ist, dass durch ein fehlendes Sandbad das Fell soweit runter kommen kann, dass sich Hautpilze bilden (Parasiten im Fell kommen bei Chinchillas nicht vor).
Die Tierärztin sah sich meinen Neuzugang ziemlich genau an. Zähne und Haut waren soweit Gott sei Dank in Ordnung, aber die Ohren nicht. Ich durfte mit Hilfe des Zusatzgeräts mal einen kleinen Blick in das Ohrinnere werfen und selbst als Laie war es mir nicht möglich, die ganzen Knubbel und dicken verschorften Schmutzklumpenl zu übersehen. Mit Hilfe einer Tropflösung probierte die Tierärztin dann, zumindest das Grobe zu entfernen. Das arme kleine Mädel
muss
zumindest links fast taub gewesen sein, da kaum noch etwas von dem Gehörgang frei lag.
Trotz des Einwirkens der Tinktur konnten die groben Krusten aber kaum entfernt werden. Ein besonders großer Klumpen auf den es die Tierärztin abgesehen hatte, löste sich stellenweise und
riss ihr dabei noch einen Teil der Haut ab, so dass es ziemlich blutete. Daraufhin brach die Ärztin den Versuch ab. Für das Innere der Ohren bekam ich eine Tinktur mit Antibiotika mit, die ich ihr zwei mal täglich ins Ohr tropfen solle.
Am nächsten Tag fing ich dann mit der "Behandlung" an. Diesmal wehrte sich die Kleine aber tapfer und ich brauchte schon etwas Hilfe, um das Zeug überhaupt in ihre Ohren zu bekommen. Vom Saubermachen ganz zu schweigen. Dank des Tipps einer Züchterin habe ich dann begonnen, die Ohrmuscheln mit Babyöl zu massieren und meine Finger waren alleine schon vom einmassieren schwarz. Danach wird das ganze mit weichem Papier gereinigt. Diese Prozedur wiederhole ich nun pro Behandlung zwei bis drei Mal, und das zwei Mal täglich. Solange ich damit nicht aufhören kann, kann ich sie aber auch leider nicht großartig in das Sandbad lassen (panierte Öhrchen, lecker). Demzufolge ist ihr Fell jetzt die letzte Katastrophe.
Nach 5facher Wiederholung der Ohrentortur beginnt nun wieder die untere Haut durchzuschimmern, allerdings ist die Haut stark gereizt und ich setze mal einen Tag aus. Bereits nach der 2ten Behandlung hat Lilly aufgehört sich ständig zu kratzen. In das Ohrinnere komme ich leider nicht, aber ich hoffe die dicken Knubbel mit der Tinktur soweit einzuweichen, dass die Tierärztin sie demnächst ohne größere Probleme entfernen kann.
Sehr gute Erfahrung habe ich auch mit Trockenshampoo gemacht. Einfach ins Fell "kraulen" und hinterher mit den Händen wieder ausstrubbeln. Das löst zumindest die ganzen fettigen Partikel und gibt eine bessere Grundbasis.
Die vorherige Halterin hat ihre Kleine wirklich lieb gehabt und es fiel ihr sehr schwer, das Mädel abzugeben. Sie hat auch immer sehr gut für sie gesorgt, war aber anscheinend nicht über die Auswirkungen eines unregelmäßigen Sandbads informiert. Trotz jahrelanger Erfahrung (7 Jahre hatte sie Lilly bei sich) hatte sie über die Haltungsbedingungen lückenhafte Kenntnisse und hat nicht einmal gemerkt, dass das Tier sich nicht wohl fühlt. Eine andere Sache ist mein Groll gegen den Tierarzt, bei dem sie wegen dem Fell gewesen ist. Spätestens er hätte eigentlich die Ursache des Problems erkennen und sich vor allem der Ohren annehmen müssen. Für jemanden der Chinchillas kennt war diese Tatsache gar nicht zu übersehen. Und das ist wieder ein Punkt, an dem ich Halter bitten möchte sich vorab bei ihren Tierärzten zu informieren, ob sie sich mit den kleinen Patienten auskennen. Fragen sie andere Halter, treten sie notfalls an Vereine und Züchter heran oder suchen sie sich per Kleinanzeige einen ordentlichen Tierarzt. Denn nicht jeder gibt seine Unwissenheit zu.
© Bilder und Text Heike Brzezina, 2000
www.nagetiere-online.de

|