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Also, ich weiß das Weihnachten ein Fest der Liebe ist und das jeder sich darauf freut den gemütlichen Familienabend zu genießen. Wir Tiere sind ja meist auch ein Teil der Familie. Nur irgendwie sind Frauchen und Herrchen gerade an den wunderbaren Tagen meist zu beschäftigt, um auch an uns zu denken. Und das ist nicht nett. Für all die, die uns nur ab und an einen liebevollen Weihnachtsblick zu werfen will ich mal klarstellen, wie wir das sehen.
Ich habe das Glück mit meinem Käfig im Wohnzimmer zu stehen. An einem warmen, netten Platz. Das ganze Jahr lang. Nur nicht an Weihnachten. Das ist nämlich der einzige Platz, an dem sie diese riesige, schmackhaft riechende Tanne unterbringen können. Also werde ich samt Heim mal eben in eine andere Ecke gepackt wo ich voll eingemauert bin und kaum was sehen kann. Ich renne also zu Gitter, mache brav Männchen und ringe um Aufmerksamkeit. Und was passiert? Frauchen rennt mich fast um, als sie schaut ob der Baum auch ja gerade steht. Hallo, hier bin ich!!!!! So geht das ganze `ne geschlagene Stunde weiter. Ich probiere zu schlafen, aber das geht nicht. Herrchen flucht zu laut weil er sich ständig sticht als er im Baum hängt. ICH würde das ja gerne machen, aber mich fragt ja hier niemand. Nachdem der Baum endlich ordentlich steht und ich mich strecke um endlich wieder im Mittelpunkt zu stehen, da kommt mein Frauchen auch schon auf mich zu. Ja! Aber... he! Oh, ich stehe neben dem Karton mit diese leckeren bunten Kabeln und Lichtern. Naja, zumindest waren sie da bis jetzt noch drin. Also wieder nichts. Ich ziehe mich schmollend an meinen halbleeren Futternapf zurück und fische mir vor
Weihnachtsfrust nur die leckeren Sachen raus. Da meckern sie immer. Nur heute natürlich nicht. Herrchen hängt jetzt nicht mehr unterm Baum, sondern da hinter. Mit der Leiter. Wenn der so weitermacht, kann ich mir die Aufbauarbeiten gleich noch mal ansehen. Ich probiere meine Familie zu ignorieren. Und erst recht den Baum, der mir die Show stiehlt. Aber jede Nadel die runter fällt sieht so frisch und knusprig aus.... lasst mich raus!!!!!
Nachdem ich schon vollkommen apathisch im Käfig sitze und still grummelnd in der Pfütze der Wassertränke herum wühle die ich gerade entdeckt habe scheint das hier endlich ein Ende zu haben. Der blöde Baum leuchtet und ist mit herrlichem silbernen Heu bedeckt. Köstliche Kugeln hängen an ihm, die super zum spielen sind, und lauter knusprige Lebkuchenkekse. Wenn mir nicht bald jemand was ordentliches zum Futtern in den Käfig steckt stelle ich mich tot. Ich halte diese Gerüche auf nüchternen Magen nicht mehr aus. Und die blöden Sticks kann ich echt nicht mehr sehen. Was ist das? Der Karton ist leer, die beiden lächeln sich an. Fertig??? Jippi!!! Ok, das sie die CD rein legen kann ich ja noch gerade verkraften. Aber nun bin ich endlich wieder dran. Was ist denn das da im Schrank? Wow... lauter bunte Papierschachteln. Und lauter leckere Ecken zum ansetzen der Zähne dran. He, nicht auf den Tisch! Zu mir! Hier! Ich hüpfe aufgeregt im Käfig hin und her. Frauchen dreht sich um, lächelt mich an und dann kommt sie zu mir. Seufz. Ja, darf ich nun wieder raus? Ich will alles erkunden und plündern. Bitte! Ich sehe sie mit meinen allerbesten Blick an, da kann sie nicht hart bei bleiben. Nie. Zumindest krault sie mich jetzt schon durch die Gitterstäbe. Na warte, wäre ja gelacht wenn ich das nicht hin bekomme. Ich renne also zur Tür und mache mich wieder lang. Frauchen seufzt. Komisch, das tut sie sonst nie wenn ich das mache. Sie dreht sich zu Herrchen um, der die bunten Schachteln unter den Baum legt. Genau meine Höhe. Herrchen schaut Frauchen an, Frauchen Herrchen, beide mich. Was soll das? Ich ahne was... NEIN!!! Die meinen das ernst. Ich sitze hier fest. Alleine und verraten. Spinnen die? Nachdem ich den ersten Schock überwunden habe schwanke ich zwischen der Überlegung sie für den Rest meines Lebens nicht mehr zu mögen und der Versuchung laut zu schreien. Gerade als ich mich für letzteres entschieden habe und zu meinem kläglichsten Fiepen ansetze (das haben sie nun davon), verschwindet Frauchen aus dem Zimmer. Mist, Herrchen fällt da fast nie drauf rein. Und da er gerade das Licht ausmacht, kann er meine schön ausgearbeitet Parodie eines Schwerkranken auch nicht sehen. dafür ist das Licht vom Baum zu schwach. Das reicht. Ich hasse Weihnachten.
Ein paar Sekunden später bricht hinter der Tür Jubel aus. Ah! Die Kinder. Nun bin ich gerettet. Das sind meine besten Freunde. Die Tür geht auf, die Kinderaugen leuchten. Sie lachen, sehen in meine Richtung, dann an mir vorbei zu den bunten Schachteln. Ich verzweifele langsam. Immerhin sind sie so feinfühlig noch mal kurz "Hallo" zu sagen, als sie an mit einem heftigen Windstoß an meinem Gefängnis vorbei hechten. Na prima. Jetzt ist mir alles egal. Ich dachte bis heute ich hätte Ahnung von der Lebens- und Verhaltensweise der Menschen. Aber dem scheint nicht so zu sein. Also mache ich es mir gemütlich, drehe mich mit dem Gesicht zur Wand und probiere das Gelächter, die Gerüche und das herzhafte zerreißen von Papier zu ignorieren. Auch die Jubelrufe, die ICH ihnen eigentlich immer nur entlockt habe wenn ich was tolles gelernt hatte. Ab und zu riskiere ich einen Seitenblick. Vielleicht überlegen sie es sich Ja noch mal anders und nehmen mich auch wieder zur Kenntnis. Toll, die futtern Süßigkeiten. Und ich kann hier verhungern. Während ich laut fluchend vor mich hin schmolle, klopft irgendwas an mein Gitter. Was ist denn nun los? He, JETZT will ich hier nicht mehr raus. Ihr habt sie ja wohl nicht mehr. Lasst mich in Ruhe. Ich will nicht auf die Couch schmusen. Doch .... halt! Was ist das? Ich glaube es nicht. Auf dem Tisch steht ein wunderbares Schlafhaus. Das ist viel zu klein für die Menschen. Das muss für mich sein. Und da... neben den bunten Tellern. Da steht ein kleiner. Mit Heukräckern und Drops. Obst, Kräuter, Papprollen.... ich bin im Paradies! Bestimmt bin ich doch eingeschlafen. Ich vergesse vor Schreck glatt, das ich eigentlich sauer bin und fange wild an zu zappeln und stürze mich auf die leckeren Sachen. Nachdem ich wieder zu mir komme (ich muss ganz schön was verdrückt haben, der Teller ist schon viel leerer), sehe ich mich um. Und ehe jemand mich aufhalten kann, bin ich in einem riesigen Berg buntem Papier untergetaucht. Nur mit Mühe und Not schaffe ich es zurück an die Oberfläche. Dort sehe ich in die Gesichter MEINER Familie. Alle sehen mich an und Lachen. Herrchen fotografiert sogar. Ist Weihnachten nicht wunderbar?
© Heike Brzezina, 1998
www.nagetiere-online.de
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